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Grußwort von Hauptpastorin Pröpstin Kirsten Fehrs zur Premiere

Israel in Ägypten – eine faszinierende, dramatische Geschichte! Sie erzählt von Menschen im Exil, von ihren Träumen, aber auch Traumata, von Widerstand und einem langen Prozess der Befreiung – also Stoff in Fülle für diesen Blog! Ich bin neugierig darauf, wie sich dieses für St. Jacobi neue Forum eines Blogs macht, neugierig auf Beiträge und Einfälle.

Welch einen Einfluss, was für einen Anstoß diese alte Erzählung von Israel in Ägypten hat, zeigt ja ihre Rezeption in Händels Musik. Und da Händel nicht der einzige Künstler oder Wissenschaftler ist, den „Israel in Ägypten“ in den Bann gezogen hat und zieht, lohnt es sich zu sichten, zu diskutieren, um auf diese Weise das Händelsche Werk ganz anders zu hören und zu lesen.

Ich wünsche diesem Blog großen Erfolg und freue mich auf ein Hörerlebnis am 28.2.2010 in St. Jacobi!

Hauptpastorin Pröpstin Kirsten Fehrs stellte den von ihr gehaltenen Gottesdienst am 28.2.2010 - dem Tag der Premiere von "Israel in Egypt" - übrigens unter das Motto "Go down Moses".

"Go down Moses" ist ein Spiritual der einstigen US-amerikanischen Sklaven, für die die Geschichte der Befreiung des Volkes Israel aus der Gefangenschaft in Ägypten das Vorbild für ihre eigene erhoffte Befreiung aus der Sklaverei der weißen Plantagenbesitzer war.

Israel war nie in Ägypten

… zumindest nicht das ganze Volk, und das Volk Israel gab es noch gar nicht. 

Ein Beitrag von PD Dr. J. Cornelis de Vos 

 In ägyptischen Quellen selbst gibt es kaum Erwähnungen eines „Israel“. Die älteste stammt aus dem Jahre 1208 v. Chr. Auf einer Stele des Pharao Merenptah (1224-1204 v. Chr.) erscheint der Name „Israel“ als Bezeichnung für eine Gruppe von Menschen, die sich irgendwo südlich des Karmel im heutigen Israel aufgehalten haben. Die Deutung ist schwierig, aber sicher ist, dass es sich nicht um ein Land, einen Staat oder Stadtstaat handelt. Vor dieser Zeit gibt es keine Erwähnungen von irgendeinem „Israel“, es sei denn, man verbindet die sogenannten ‘apīru, ḫabīru oder ḫapīru, die in ägyptischen und keilschriftlichen Texten öfter erwähnt werden, über die Klangverwandtschaft mit „Hebräer“ und so mit den Israeliten, die schließlich in der Bibel auch Hebräer genannt werden. Ob aber ‘apīru usw. die Bezeichnung einer Ethnie oder einer gewissen (Berufs)gruppe ist, ist umstritten. Am wahrscheinlichsten ist, dass es sich um umherziehende Söldner oder Räuber handelte, die vielleicht eine Gruppe, nicht aber ein Volk darstellen. Ansonsten gibt es mehrere Bericht über Nomaden, die die Grenze zwischen Ägypten und Palästina passierten (die ägyptischen Grenzbeamten führten darüber genau Buch). Aber auch hier liegt keine direkte Verbindung mit den Israeliten vor. Aus der Zeit des Pharao Ramses II. (1290-1224 v.Chr.), in die der Aufenthalt Israels in Ägypten meistens angesetzt wird, gibt es keine ägyptischen Quellen über Israel. Das kann daran liegen, dass die Großmacht Ägypten kein Interesse an diesem Volk hatte, es zu klein war, um aufzufallen oder dass es zu dieser Zeit überhaupt noch kein Volk Israel gab. Es gab immer wieder Gruppen, die kürzere oder längere Zeit in Ägypten waren und die man nachmalige Israeliten nennen kann; aber eine ganzes Volk in der Größe, von der die Bibel redet (s. 2. Mose 12,37), gab es zu der Zeit in Ägypten nicht. Historisch ist es am wahrscheinlichsten, dass eine oder mehrere Gruppen vom Süden aus mit all ihren Geschichten ins Land Kanaan gekommen sind. Als dann zu einem späteren Zeitpunkt die Geschichte des Volkes Israel mit seinem Gott geschrieben wurde, Teile des Alten Testaments, wurde diese Teilgeschichte mit aufgenommen in die „religiös-nationale“ Geschichte. Die Lenkung der Geschichte wurde Gott zugeschrieben, und darum wurde aus dem Auszug einer oder mehrerer Gruppen nachmaliger Israeliten aus Ägypten eine für das ganze Volk Israel befreiende Heilstat Gottes (vgl. 2. Mose 20,2: „Ich bin der Herr, der dich aus Ägypten, aus der Knechtschaft herausgeführt hat“). Nicht nur der Auszug, auch die zehn Plagen wurden der Macht Gottes zugeschrieben. Ägypten war in der ganzen Antike bekannt (und auch belächelt) wegen seiner vielen Tiergötter und seiner Zauberei. Die Plagenerzählung zeigt in der biblischen Darstellung, dass der israelitische Gott sehr viel mächtiger ist als die ägyptischen Götter und Zauberer. Es geht um das Bekenntnis der für Israel befreienden Macht seines Gottes. Wer versucht, die Plagen biologisch zu erklären, unabhängig davon, ob das tatsächlich der Hintergrund ist, verfehlt den Sinn der Geschichte. Der Heilstat Gottes wird gedacht. Ob diese genau so stattgefunden hat, wie es in der Bibel beschrieben wird, ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass das Volk Israel das später so gesehen hat. Und ja: Im Gedenken war Israel sehr wohl in Ägypten, und Händel gedenkt dieses Gedenkens auf wunderbare Weise.

Die zehn biblischen Plagen

„Die zehn biblischen Plagen oder Landplagen bezeichnen eine Reihe von Katastrophen, die nach der biblischen Erzählung etwa im 13. Jahrhundert v. Chr. das Land Ägypten plagten. Historisch ist die Überlieferung der Bibel nicht belegt, auch wenn dies über die Datierung von Vulkanausbrüchen versucht wurde, welche als ursprünglicher Auslöser für die Plagen von mehreren Wissenschaftlern angenommen werden.

Im 2. Buch Mose des Alten Testaments wird berichtet: Nachdem Mose eine Begegnung mit seinem Gott JHWH hatte, wurden er und Aaron von diesem nach Ägypten zurückgesandt, um das Volk Israel aus der Sklaverei zu führen. Der Pharao (vermutlich Ramses II., Merenptah oder Amenmesse) wollte sie jedoch nicht ziehen lassen. Nach jeder Weigerung schickt JHWH eine weitere Plage. Danach zogen die Israeliten durch das Schilfmeer, in dem hinter ihnen die sie verfolgenden ägyptischen Truppen samt dem Pharao ertranken.

Liste der Zehn Plagen

Wasser wird für sieben Tage ungenießbar: Mose und Aaron taten, wie ihnen der Herr geboten hatte, und Mose hob den Stab und schlug ins Wasser, das im Nil war, vor dem Pharao und seinen Großen. Und alles Wasser im Strom wurde in Blut verwandelt. (2 Mos 7,20)

Frösche wimmeln im Land: Und der Herr sprach zu Mose: Sage Aaron: strecke deine Hand aus mit deinem Stabe über die Ströme, Kanäle und Sümpfe und lass Frösche über Ägyptenland kommen. Und Aaron reckte seine Hand aus über die Wasser in Ägypten, und es kamen Frösche herauf, so dass Ägyptenland bedeckt wurde. (2 Mos 8,1)

Stechmücken plagen Mensch und Vieh: Sie taten so, und Aaron reckte seine Hand aus mit seinem Stabe und schlug in den Staub auf der Erde. Und es kamen Mücken und setzten sich an die Menschen und an das Vieh; aller Staub der Erde ward zu Mücken in ganz Ägyptenland. (2 Mos 8,13)

Stechfliegen (bei Luther: Ungeziefer) füllen alle Häuser: Und der Herr sprach zu Mose: Mach dich morgen früh auf und tritt vor den Pharao, wenn er hinaus ans Wasser geht, und sage zu ihm: So spricht der Herr: Lass mein Volk ziehen, dass es mir diene; wenn nicht, siehe, so will ich Stechfliegen kommen lassen über dich, deine Großen, dein Volk und dein Haus, dass die Häuser der Ägypter und das Land, auf dem sie wohnen, voller Stechfliegen werden sollen. (2 Mos 8,16)

Viehpest tötet alle Pferde, Kamele, Rinder, Schafe: Da sprach der Herr zu Mose: Geh hin zum Pharao und sage zu ihm: So spricht der Herr, der Gott der Hebräer: Lass mein Volk ziehen, dass sie mir dienen! Wenn du dich weigerst und sie weiter aufhältst, siehe, so wird die Hand des Herrn kommen über dein Vieh auf dem Felde, über die Pferde, Esel, Kamele, Rinder und Schafe, mit sehr schwerer Pest. (2 Mos 9,1)

Geschwüre (bei Luther: schwarze Blattern) befallen Mensch und Vieh: Und sie nahmen Ruß aus dem Ofen und traten vor den Pharao, und Mose warf den Ruß gen Himmel. Da brachen auf böse Blattern an den Menschen und am Vieh, so dass die Zauberer nicht vor Mose treten konnten wegen der bösen Blattern; denn es waren an den Zauberern ebenso böse Blattern wie an allen Ägyptern. (2 Mos 9,10)

Hagel tötet Mensch und Vieh, zerstört Ernte und Bäume: Da sprach der Herr zu Mose: Recke deine Hand aus gen Himmel, dass es hagelt über ganz Ägyptenland, über Menschen, über Vieh und über alles Gewächs auf dem Felde in Ägyptenland. (2 Mos 9,22)

Heuschrecken bedecken das Land und fressen alles Grün: Da sprach der Herr zu Mose: Recke deine Hand über Ägyptenland, dass Heuschrecken auf Ägyptenland kommen und alles auffressen, was im Lande wächst, alles, was der Hagel übriggelassen hat. (2 Mos 10,12)

Finsternis dauert drei Tage: Da sprach der Herr zu Mose: Recke deine Hand gen Himmel, dass eine solche Finsternis werde in Ägyptenland, dass man sie greifen kann. (2 Mos 10,21)

Erstgeborene von Mensch und Vieh sterben: Und Mose sprach: So spricht der Herr: Um Mitternacht will ich durch Ägyptenland gehen, und alle Erstgeburt in Ägyptenland soll sterben, vom ersten Sohn des Pharao an, der auf seinem Thron sitzt, bis zum ersten Sohn der Magd, die hinter ihrer Mühle hockt, und alle Erstgeburt unter dem Vieh. (2 Mos 11,4)

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Darstellung in der Kunst (Auszüge)

Théophile Gautier beschrieb 1858 in seinem Buch „Der Roman der Mumie“ die Entdeckung einer Mumie, die eine Rolle mit Hieroglyphen in der Hand trägt. Diese Hieroglyphen erzählten die Lebensgeschichte der Mumie, vom Leben einer bildhübschen Frau, die am Lebensende zu einer Mumie einbalsamiert wurde. Als junge Frau hatte sie die biblischen zehn Plagen miterlebt.

Einige der Plagen sind im Film „Die Mumie“ zu sehen, nachdem die Mumie wiedererweckt wurde, nämlich folgende: Heuschrecken, Wasser, welches zu Blut wird, Stechfliegen, Geschwüre, Hagel und Dunkelheit

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Georg Friedrich Händel verarbeitet die 10 Plagen im 1. Teil seines Oratoriums „Israel in Egypt“.“

(zitiert nach http://de.wikipedia.org/wiki/Zehn_Plagen. Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar.)